Schlagwort-Archive: Differenzierung

World Retail Banking Report 2011 – Wettbewerbsvorteile durch gute Kundenerlebnisse

Im World Retail Banking Report 2011 von Capgemini und der UniCreditGroup wurden weltweit 14.000 Bankkunden und 50 Bankmanager befragt. Fazit: Gute Kundenerlebnisse bringen grosse Wettbewerbsvorteile.

Wettbewerbsvorteile über innovative Produkte oder tiefere Preise werden aufgrund von Kostendruck und eingeschränktem Spielraum bei Produktinnovationen kaum noch gesehen. Wettbewerbsvorteile liegen gemäss der Studie vielmehr in positiven Kundenerlebnissen. Diese führen unter anderem zu vertieften Kundenbeziehungen und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Kunden länger verweilen, mehr Produkte nutzen oder die Bank häufiger weiterempfehlen.

Gleichzeitig kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass Banken weltweit hier noch grosses Potential haben. Die meisten Banken sind gut darin, schlechte Erlebnisse zu vermeiden. Dies schlägt sich in relativ hoher Kundenzufriedenheit nieder. Die Studie zeigt ebenfalls, dass Zufriedenheit und positive Erlebnisse nicht dasselbe sind. So liegt die Bewertung der positiven Erlebnisse durchweg unterhalb der Zufriedenheitsbewertung.

Vor allem schaffen es Banken selten, die individuellen Bedürfnisse über alle Vertriebskanäle hinweg zu erfüllen und ein konsistent gutes Kundenerlebnis entlang der individuellen Kette von Interaktionen der Kunden zu ermöglichen. Banken sind häufig in einer Silo-Denkweise verhaftet, die nicht der Wahrnehmung der Kunden entspricht.
Das ganzheitliche Verständnis der Erlebniskette aus Kundensicht schafft die Voraussetzungen, gezielt Initiativen und Strategien abzuleiten, um ein einheitliches Gesamterlebnis zu ermöglichen. Dieses wird durch die gezielte Gestaltung von Prozessen, Interaktionen, Berührungspunkten sowie Produkten und Services beeinflusst.

Genau das macht Stimmt: Wir helfen Unternehmen erfolgreicher zu werden durch einfachere, kundenfreundlichere Prozesse. Wie etwa Swisscom: «Projektbeispiel Prozesse wie am Schnürchen»

Sprechen Sie mit uns darüber, wie sich Ihr Unternehmen mit guten Kundenerlebnissen Wettbewerbsvorteile verschaffen kann.

Ausgewählte Erkenntnisse aus der Studie

In der Schweiz ist die Kundenzufriedenheit im westeuropäischen Vergleich am höchsten – Während auf globaler Ebene nur 59% mit ihrer Erstbank zufrieden sind, sind es in der Schweiz im Schnitt immerhin 73%.

Service ist wichtiger als die Marke - Nur 27% der Kunden würden ihre Bank wegen des schlechten Images wechseln, allerdings 55% wegen schlechtem Service. Dies ist zugleich der am häufigsten genannte Faktor – gefolgt von einfache Nutzung mit 50%.

Kundenerlebnisse hinken Zufriedenheit hinterher – Dies sieht man auch am Beispiel der Schweiz: Während 73% der Kunden zufrieden sind, haben nur 44% gute Erlebnisse mit ihrer Bank.

Bedeutung der Kanäle und Zufriedenheit mit diesen klaffen auseinander – In Europa geben über 80% der Kunden an, dass ihnen der Internetkanal wichtig ist (der höchste Wert noch vor der Filiale), die Zufriedenheit damit liegt aber unter 50%. Mobile Banking wird übrigens noch nicht als sehr wichtig eingeschätzt, was vermutlich mit dem eingeschränkten Angebot zusammenhängt.

Der Grad an guten Erlebnissen variiert stark nach Geographie und Art der Transaktion – Zum Beispiel schneiden die USA über alle Transaktionen im globalen Vergleich gut ab. In Japan haben die Kunden selten gute Erlebnisse in der Filiale, anders als in Frankreich. Und in den Niederlanden haben die Kunden die besten Erlebnisse bei Transaktionen im E-Banking.

Qualität des Service (63%) und Einfachheit der Nutzung  (64%) sind wichtigste Faktoren zur Wahl einer Bank – Allerdings liegen Kosten (59%) und Zinsen (59%) nur knapp dahinter.

Multi-Kanal, Multi-Produkt Umgebung birgt grosse Herausforderungen – Die Studie warnt vor der «3E-Falle»: Everything for Everybody, Everywhere. Als Ausweg wird eine Zuordnung der Kanäle zu Kundensegmenten vorgeschlagen, so dass die richtigen Produkte über den richtigen Kanal zu den richtigen Kunden gelangen. Eine genaue Analyse der Bedürfnisse, Erwartungen sowie der Nutzungsmuster ist die Vorraussetzung.

Bankfilialen stehen vor grosser Veränderung – Filialen werden umgestaltet, um neuen Service-Modellen gerecht zu werden. Technologie wird eingesetzt, um die Effizienz zu erhöhen sowie den Zugriff auf relevante Informationen und nahtlose Integration mit anderen Kanälen zu verbessern. Gleichzeitig werden Verkaufs- und Dienstleistungsprozesse überarbeitet, um auch dort die Effizienz, Qualität und das Kundenerlebnis zu verbessern. Schliesslich müssen auch in Bezug auf Qualität, Ausbildung und Befähigung der Filialmitarbeitenden einige Schritte unternommen werden, um den Erwartungen der Kunden gerecht zu werden.
In der Studie werden sechs Möglichkeiten beschrieben, wie die Filialen positioniert werden können:

  • Zentrum eines Multi-Kanal-Netzwerks
  • «Trusted Advisor» für Kunden
  • Unabhängiges Netzwerk
  • Filiallose Bank
  • Teil eines nahtlosen Multi-Kanal-Netzwerks
  • Physischer Raum für virtuelle Beziehungen

Die ganze Studie gibt es hier: Download

Tweet on Twitter   Share on Facebook

Beitrag kommentieren

Customer Experience zur Kundenbindung bei Versicherungen


Beim CEN-Xchange im März ging es um das Thema Customer Experience bei Versicherungen.

Lukas Ackermann (Leiter I-Lab, Institut für Technologiemanagement (ITEM), Universität St. Gallen (HSG)) präsentierte seine Erkentnisse zur “Customer Experience in der Schweizer Assekuranz”.

Seine wichtigsten Erkenntnisse von den 800 befragten Endkunden und 30 Interviews mit Versicherungen:

  • Jede Kundeninteraktion resultiert in einer Customer Experience: Wir können nicht «NICHTS» kommunizieren.
  • Customer Experience hat die kundenorientierter Wertschöpfung zum Ziel und bietet eine Möglichkeit zur Differenzierung von Versicherungsprodukte.

Was macht die Customer Experience in der Versicherung aus – wie lassen sich Versicherungskunden begeistern?

  • Es geht nicht um das Kernprodukt – sondern um die Kundenbeziehung (Langweilige Produkte aber hochemotionale Beziehung).
  • Der Schadensfall ist ein “Moment of Truth” – Richtig gehandhabt könnte dieser extrem viel Goodwill schaffen. Allerdings bewerten nur gerade 56% der Kunden diesen Kontakt als positiv und vertrauensstärkend. Zudem tritt ein Schadensfall durchschnittlich “nur” alle 7 Jahre ein.

Wie könnte ein Versicherer das Erlebnis seiner Kunden aktiv und zielgerichtet beeinflussen? Beispielsweise durch

  • Bereichsübergreifende kundenzentrierte KPIs auf GL-Ebene und daraus abgeleitete Massnahmen. Dies wird jedoch von fast keinem Unternehmen eingesetzt.
  • Einbindung von Kunden in den (Produkt-)Innovationsprozess. Innovation ist mehr als nur neue Produkte. Der Berater besitzt oft mehr Informationen über seinen Kunden als das Produktmanagement selbst… und will dieses Wissen nicht teilen.
  • Verschiedene Konzepte zur Steuerung der Touchpoints. Heude wird mehrheitlich aufgrund der Demografie segmentiert – wieso nicht nach Präferenz des Touchpoints? Bei der Interaktionsform ist das persönliche Gespräch eminent wichtig – das Internet schneidet bei Kunden noch knapp doppelt so gut ab wie Briefverkehr.


Quelle: Abschlusspräsentation Swisscom & I-Lab Studie
Customer Experience in der Schweizer Assekuranz

Im Anschluss an die Präsentation wurde intensiv diskutiert, ob und wie man für Kunden “Moments of Truth” zwischen Abschluss und Schadensfall schaffen könnte. Einige Ideen dazu:

  • Die jährliche Rechnung als Chance nutzen.
  • Steigerung der Relevanz der Botschaften (Weg von der 0-8-15 Broschüre)
  • Umkehrung des Negativerlebnisses

Uneinig waren wir uns, ob das die Kunden überhaupt wollen. Ko-Kreation / Einbezug der Kunden ist sicher unumgänglich, um nicht in der Unternehmenssicht (Inside-out) gefangen zu bleiben.

CX Fundstücke

“Versicherungen einmal anders” – wgv-himmelblau.de

Beim Autofahren geht es nicht ohne Versicherung. Aber allzu oft machen komplizierte Abschlüsse das Leben unnötig schwer. “Geht das nicht anders?” hat sich die Deutsche Versicherungsgruppe WGV gefragt. Ihre Antwort darauf: www.wgv-himmelblau.de

Ein Paradebeispiel, dass auch ein auf den ersten Blick “langweiliges” Produkt sich über eine gute Customer Experience differenzieren lässt.

Tello – “The fastest way to rate customer service wherever you go

Mobile Applikationen um sich an einem Ort “einzuchecken” und um sich dabei mit Gleichgesinnten zu verbinden, sind derzeit äusserst beliebt (Bspw. 4Square oder gowalla).

Dasselbe Prinzip macht sich Tello zu Nutze, um mit einer iPhone Applikation die  Customer Experience des momentanen Aufenthaltsortes zu bewerten. App starten, bewerten der Experience mit oder . Und schon ist das Experience auf dem Web verewigt: «Justin disliked Marble Slab Creamery in Houston, TX — “Pricing is misleading and service was not very friendly.”

Der nächste CEN-Xchange findet am 5. April statt. Sie sind an einer Teilnahme interessiert? Helmut Kazmaier freut sich auf Ihre Kontaktaufnahme.

Tweet on Twitter   Share on Facebook

1 Kommentar anzeigen

Customer Experience Forum 3 – Man kann nicht Nicht-Designen

Man sollte denken, bei der dritten Auflage des Customer-Experience-Forums hätte man sich langsam an die tolle Atmosphäre im Swisscom Brandgym gewöhnt und wäre von der Gastfreundschaft nicht mehr ganz so beeindruckt.
Aber weit gefehlt. Bei den 53 Kunden-Erlebnis-Experten aus 27 Unternehmen, die sich am 1. Dezember durch den Schneesturm nach Bern durchgeschlagen hatten, zeigten sich keinerlei Abnutzungserscheinungen – obwohl viele der Anwesenden inzwischen „alte Hasen“ in Sachen Forum sind.

Dieses Mal stand das Treffen ganz im Zeichen von Design. Schliesslich müssen wir doch alle ständig etwas gestalten: Beziehungen, Interaktionen, Abläufe, Formulare, Produkte. Und selbstverständlich wollen wir dafür sorgen, dass unsere Designs ein gutes Kundenerlebnis ermöglichen. Aber wie? Das war die Frage, über die beim Forum diskutiert wurde. Naturgemäss waren alle ein bisschen neidisch auf Ira Holl von der Deutsche Bank Filiale Q110 in Berlin, die kundenzentriertes Design schon jetzt immer und überall in ihrer Bank erlebt und umsetzt. Andere sind immerhin schon auf gutem Weg. Die Zurich Leben, Vodafone D2, BMW Financial Services, A1 Telekom Austria, die Swisscom und die Basler Versicherungen haben alle jeweils Projekte vorgestellt, die das Kundenerlebnis zu verbessern suchen.

Christian Petit, Leiter Privatkunden von Swisscom, hat eine zentrale Frage in den Raum gestellt und damit den Auftrag für die Gruppenarbeiten geliefert: Was kann ich dazu beitragen, um Design Denken in meinem Unternehmen zu etablieren? Die angeregte Diskussion der Thesen im Plenum trug viele Aspekte zusammen. Drei Kernthesen standen am Ende: Empathie für Kunden, Einbezug aller Stakeholder eines Unternehmens sowie ständiges Hinterfragen von Bestehendem.

Sieben CX-Pioniere haben unter der Rubrik „Herausforderungen“ die Chance genutzt, mit den anderen Teilnehmenden zu diskutieren und gute Ideen für eines ihrer ganz akuten Probleme zu bekommen.
„Sensationell!“ So der Kommentar eines Ratsuchenden, nachdem ihm Arbeitsgruppen binnen einer halben Stunde gleich diverse Lösungsmöglichkeiten präsentierten. Und weil „Rundum-Sorglos-Pakete“ so angenehm sind, gab es hinterher auch noch einen Workshop zum Elevator Pitch, einer Technik, mit der man gute Ideen seinen Chefs verkaufen kann. Rein theoretisch könnten also die Herausforderer beim nächsten Forum alle eine Fallstudie über das neue Projekt mitbringen können …

Apropos: In Abwandlung eines berühmten Fussball-Zitats gilt nun: „Nach dem Forum ist vor dem Forum“. Nächstes Mal treffen wir uns am 16. Juni 2011. Wenn Sie an einer Teilnahme interessiert sind oder weitere Informationen wünschen, freut sich Helmut Kazmaier über Ihre Nachricht.

P.S.: Impressionen vom Tag sowie einige Präsentationen finden Sie hier.

Tweet on Twitter   Share on Facebook

1 Kommentar anzeigen