CX-Forum 7 | Fallstudie SBB & Stimmt | Mit Freude 3550 Franken zahlen

Die SBB hat rund 430’000 GA- und 1’200’000 Halbtax-Kunden. 76 Prozent erneuern ihr GA-Abo nahtlos, beim Halbtax sind es 64 Prozent. Die Zahlen stagnieren auf hohem Niveau. Stimmt und die SBB haben beim siebten CX Forum erklärt, wie sie den Entscheidungsprozess noch optimieren wollen.

 

Mit Tiefeninterviews zur Customer Journey

Grundlage für Arbeitshypothesen lieferte die quantitative Marktforschung, die die SBB seit langem betreibt. In den Kunden hineinversetzen kann man sich aber besser mit qualitativ erhobenen Daten. So offenbarten Tiefeninterviews durch Stimmt, dass der Entscheidungszeitpunkt für die Abo-Erneuerung lange vor dem entsprechenden Erinnerungsmail liegt, dass aber trotzdem das Mail durchaus willkommen ist. Ausserdem interessant: Der Empfang des Übergangsabos ist emotional höher bewertet als der Empfang der endgültigen Abo-Karte.

Geschenke zur rechten Zeit

Bisher bekamen die Kunden als «Dankeschön» MobilBonus-Gutscheine gemeinsam mit der neuen Abo-Karte. Früher in der Erlebniskette würde das Geschenk aber besser wahrgenommen. Auch die Absende-Adresse der Online Erneuerungsmailings musste verändert werden. Bisher kamen sie von «MobilBonus» und wurden mitunter als Werbung ignoriert. Jetzt schickt die SBB den Newsletter mit dem Absender «Halbtax und GA Servicecenter», um die Botschaft zur Erneuerung an den Mann zu bringen.

Präsentation als PDF
Schriftliche Zusammenfassung

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CX-Forum 7 | Fallstudie Swisscom | NATEL Infinity – Kampf dem Gratis-Trend

Schöne neue Welt für die Konsumenten: Man kann kostenlos skypen, man kann kostenlos sms-en. Das Internet macht’s möglich. Das stellt konventionelle Nachrichtenübermittler wie die Swisscom vor Herausforderungen. Sie kämpft mit Kreativität um ihre Kunden, wie wir beim siebten CX-Forum gelernt haben.

«Es gibt ein Kundenbedürfnis nach Kommunikation ohne Einschränkung», hat man beim Branchenprimus erkannt. Und dieses Bedürfnis will man erfüllen – besser und sicherer als Gratis-Anbieter. Zu dem Zweck hat ein kleines Team «NATEL Infinity» entwickelt. Sieben Mitarbeiter aus allen Geschäftsbereichen haben die Kundenwünsche und -ängste in den Mittelpunkt gestellt und dabei neue Preispläne erstellt.

Vorbilder aus anderen Branchen

Starbucks, Kuoni und Singapore Airlines dienten als Namengeber für drei Geschäftsideen. Jedes Teammitglied arbeitete abwechselnd an jeder Idee mit, so dass jeder mit den Modellen vertraut war. Auch die Geschäftsleitung war regelmässig in Entwicklungsschritte eingebunden. Schliesslich wurden die neuen Pläne in einem Wargame simuliert.

Immer und überall zum Fixpreis

Gewonnen hat «Starbucks». Die vom Kaffee-Anbieter inspirierte Flatrate bei «NATEL Infinity» berücksichtigt, dass Handy-Software sich automatisch ins Netz einwählt, um Daten zu aktualisieren. Der Nutzer hatte bisher keine Kostenkontrolle, wenn er gleichzeitig ständig up-to-date sein wollte. Dieses Kundenbedürfnis ist nun gedeckt!

Die schriftliche Zusammenfassung als PDF zur Fallstudie gibt es hier.

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CX-Forum 7 | Fallstudie Basler Versicherungen | Hört auf eure Mitarbeiter – sie haben die besten Ideen!


Ein Vorschlagswesen gibt es in vielen Unternehmen. Das brauchten die Basler Versicherungen nicht neu erfinden. Als sie ihr «Service Champion Programm» ins Leben riefen, ging es ihnen darum, die Mitarbeiter in den Changeprozess zu mehr Kundenorientierung einzubeziehen. «Das Verhalten der Mitarbeiter ist entscheidend für ein besseres Kundenerlebnis», so die Basler beim siebten CX-Forum.

Aus «TEAM» wird «TIM»

Die Basler rief eine Plattform ins Leben, auf der jeder Mitarbeiter seinen Verbesserungsvorschlag präsentieren kann. Die Idee zu haben, reicht allerdings nicht – der Mitarbeiter muss sie auch selbst umsetzen. „Toll, ein anderer macht’s“, gilt nicht mehr. Stattdessen heisst es „Toll, ich mach’s“. Damit das klappt, gibt es kaum Regeln: Das Projekt muss ohne Hilfe von Aussen umsetzbar sein, und zwar innerhalb von zwei Monaten und ohne IT Aufwand zu verursachen. Ob mit der Idee Geld gespart wird, ist unerheblich. Hauptsache, das Kundenerlebnis wird besser.

Ins Rampenlicht mit den Ideen

Wer eine Idee hat, darf sie nach Prüfung durch das Touchpoint Management dem CEO präsentieren. Belohnung für die Mühe ist jede Menge Anerkennung und das gute Gefühl, etwas bewegt zu haben. Das reicht bei der Basler zur Motivation. Binnen neun Monaten wurden 36 Vorschläge eingereicht. 15 davon sind bereits umgesetzt. 23 wurden 2012  prämiert.

Schriftliche Zusammenfassung

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CX-Forum 7 Keynote | Swisscom | Vom Traum zur Realität — auf dem Weg zur «Experience Driven Organisation»

Swisscom ist dem Ziel der konsequenten Kundenorientierung schon so nah wie kaum ein anderes Grossunternehmen in der Schweiz. Die Erfolgsgeschichte erzählte Christina Taylor, Head of Best Experience der Swisscom, beim siebten CX-Forum. Sie war 2003 als Innovation Scout für das Unternehmen ins Silicon Valley gegangen. Doch ein Jahr später waren von hundert Ideen nur drei umgesetzt. Es musste sich etwas ändern.

Auf dem Weg zur «Experience Driven Organisation»

Swisscom ist dem Ziel der konsequenten Kundenorientierung schon so nah wie kaum ein anderes Grossunternehmen in der Schweiz. Die Erfolgsgeschichte erzählte Christina Taylor, Head of Best Experience der Swisscom, beim siebten CX-Forum. Sie war 2003 als Innovation Scout für das Unternehmen ins Silicon Valley gegangen. Doch ein Jahr später waren von hundert Ideen nur drei umgesetzt. Es musste sich etwas ändern.

«No champion, no project, no success.»

Christina Taylor suchte zurück in der Schweiz gezielt Mitstreiter. Zig Mitarbeiter wurden in Human Centered Design geschult. Die Marktlage damals war eine Motivationshilfe: Das Preisniveau war unter Druck, die Marktanteile der Swisscom in Gefahr. Kundenorientierte Angebote waren notwendig. Die CX Pioniere – bei der Swisscom «Champions» genannt – änderten nach und nach die Art zu arbeiten. Diese Innovation brachte mehr als jedes neue technische Gadget.

Gutes muss nicht teuer sein

Voraussetzung für ein gutes Kundenerlebnis ist nicht unbedingt ein perfekter Geschäftsvorgang. «High- und Lowlights differenzieren die Marke», so Taylor. Man muss nur den Mut haben, seine Schwächen auch einzuräumen. Und die Entscheidung, mit welchen Lowlights man leben kann, muss bewusst gefällt werden. Unter anderem die Diskussion darüber führte bei der Swisscom zu einem klaren Bekenntnis der Führung zu Human Centered Design.

Die Zusammenfassung der Fallstudie gibt es hier als PDF und das vollständige Poster hier

CX-Forum 7 | Keynote Swisscom - Vom Traum zur Realität

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Eine Woche ist genug – über eine ausreichende Laufzeit von Online-Befragungen

Nach welcher Laufzeit sollten Online-Befragungen abgeschlossen werden? Diese Frage ist mit einem Dilemma verknüpft. Je länger die Befragung online ist, desto mehr wertvolle Projektzeit verstreicht. Je kürzer die Befragung ist, desto weniger Teilnehmende haben die Gelegenheit, an ihr teilzunehmen.

Dies wirkt sich direkt auf die Stichprobengrösse aus – und damit auch auf die Repräsentativität und Aussagekraft der Studie. Zudem sinkt die Chance (die sogenannte «Power»), statistisch signifikante Zusammenhänge oder Unterschiede in den Ergebnissen zu entdecken.

Stimmt ist der Frage nachgegangen, nach wie vielen Tagen man ruhigen Gewissens eine Online-Studie abschliessen kann. Dazu haben wir tief in unser Schatzkästchen vergangener Online-Befragungen gegriffen und anhand der 10 umfangreichsten Befragungen empirisch geprüft, wie sich der Rücklauf an Antworten jeweils über die Laufzeit der Studie hinweg entwickelt hat. Zwei Einflussfaktoren sind berücksichtigt:

  • Zum einen haben wir je fünf Internet- und Intranetstudien ausgewählt. Bei Internetstudien wurden die Befragten als Privatpersonen angeschrieben, bei Intranetstudien in ihrer Rolle als Mitarbeitende eines Unternehmens. Dazu gehören beispielsweise Befragungen zur wahrgenommenen Qualität von Intranets: Intranet Satisfaction Questionnaire (ISQ).
  • Zum zweiten haben wir geprüft, ob und wie sich Wochenenden, d.h. die Wochentage Samstag und Sonntag, auf die Teilnehmerzahlen ausgewirkt haben.

Die entscheidende Messgrösse bei der Auswertung war die Anzahl Antworten pro Tag.

 

Diese Grafik zeigt einen typischen Verlauf der Antwortzahlen über die Online-Zeit einer Befragung hinweg. Wie man sieht fallen die Würfel oftmals bereits in den ersten beiden Tagen. Danach wird die Befragung durchaus noch beantwortet, aber in einem ungleich tieferen Umfang als zu Beginn.

Stellt man die Rücklaufquoten als Anteile an der endgültigen Rücklaufzahl bei Studierenden dar, so zeigt sich über die gesamte Stichprobe von 10 Studien und 4 296 Teilnehmenden folgendes Bild:

 

Auch in der Gesamtschau zeigt sich, dass ein Löwenanteil des Rücklaufs in den ersten drei bis vier Tagen eintrifft. Danach verläuft die Kurve deutlich flacher und verliert mit jedem weiteren Tag an Steigung.

Die Rücklauf-Verläufe zwischen Internet- und Intranetbefragungen («Privat»- vs. «Geschäftspersonen») sind sehr ähnlich, vor allem in den ersten Tagen der jeweiligen Online-Zeit. Ab dem Ende der ersten Woche lässt sich ein leicht unterschiedlicher Trend feststellen: Der Rücklauf von Intranet-Befragungen erfolgt etwas rascher als von Internet-Befragungen. Privatpersonen sind somit etwas träger und reagieren später auf eine Befragungseinladung als «Geschäftspersonen».

Wie wirkten sich Wochenenden auf die Rücklaufzahlen aus? Wenig überraschend versiegt der Rücklauf bei Intranetbefragungen an Wochenenden nahezu komplett. Bei Privatpersonen hingegen wirken sich Wochenenden interessanterweise überhaupt nicht aus – der Rücklauf an einem Tag unter der Woche und an einem Tag am Wochenende ist somit gleichmässig.

Damit können wir folgende Faustregeln festhalten:

Nach einem Tag sind im Mittel knapp die Hälfte, nach drei Tagen zwei Drittel und nach 7 Tagen knapp 90% der letztendlichen Antworten eingegangen.

Was bedeutet das nun für die nächste Online-Befragung? Sollte die Zeit im Projekt knapp bemessen sein, kann man mit minimalen Verlusten eine Intranet-basierte Online-Befragung nach 5 Arbeitstagen und eine Internet-basierte Online-Befragung nach einer Kalenderwoche abschliessen. Die Zuverlässigkeit dieser Aussage ist trotz unserer kleinen  Stichprobe von N=10 bereits recht hoch: Das Vertrauensintervall der mittleren Rücklaufquote nach 7 Tagen von 88% beträgt nur +/- 8%. Wenn ihr also auf 4-20% der potenziellen Teilnehmenden einer langfristigen Laufzeit verzichten könnt, gilt:

Eine Woche Online-Befragungszeit reicht aus. 

Könnt ihr unsere mini-Studie aus eigener Erfahrung bestätigen? Oder kennt jemand von euch sogar veröffentlichte Studien zu diesem Thema? Wir sind auf euren Rücklauf gespannt. Antwortet uns einfach innerhalb einer Woche in der untenstehenden Kommentarbox.

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Erlebnisse die bewegen – CX-Fundstücke im März

Ocelot

ocelot ist eine Buchhandlung, wie sie schöner nicht sein könnte. Perfekt designte Regale laden genauso zum Stöbern ein, wie die mit eBook Readern ausgestatteten Sitzecken. Der Kunde hat die Wahl, es sich entweder mit einer Zeitung oder Laptop in dem hauseigene Café mit WLAN gemütlich zu machen. Besonderheiten bilden die speziellen Ecken für DVDs, Schallplatten und Urban Culture. Mit dem Online-Shop ocelot.de, kann der Kunde seine bestellten Bücher bereits am nächsten Tag abholen.

Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG

Reisevorbereitungen für sechs Monate Südostasien sind schon stressig genug. Viele Vorbereitungen müssen getroffen werden: Wohnung untervermieten, Impfungen, Visa etc. Wie sieht das eigentlich mit dem Versicherungsschutz für die drei Versicherungen (Hausrat-, Privathaftpflicht- und Reiseversicherung) im Bezug auf eine Reise aus? Der persönliche Kundenberater erinnert sich an die vor einem Jahr erzählten Reisepläne und informiert ohne upselling Intension zu der bevorstehenden Reise. Kurzerhand hat der Kundenberater alle relevanten Informationen zur Hand und sendet diese anschliessend elektronisch zu, da ein Ordner mit Versicherungsunterlagen während sechs Monaten Backpacking nicht praktisch ist.

curious about

Die Website Service Design Tools präsentiert eine grosse Menge an Kommunikations-Methoden und Werkzeugen, die im Design Prozess eingesetzt werden können.

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Erlebnisse die bewegen – CX-Fundstücke im Februar

London Heathrow Airport

Am Flughafen Heathrow können Reisende an kritischen Punkten der Journey (z.B. Sicherheitskontrolle, Gepäckausgabe) einen «Experience Buzzer» benutzen.

Dazu drückt man auf das Smiley, das dem eigenen Erlebnis am besten entspricht. Wer mag, kann zusätzlich noch schriftliches Feedback auf einer kleinen Karte geben. Die Resultate der Kundenerhebungen (basierend auf  Kundenbefragung und -beobachtungen) werden ebenfalls gezeigt.
Heathrow hat eine Reihe von Kriterien definiert wie Wartezeiten für die Sicherheitskontrolle, Sauberkeit, Leitsystem / Weginformationen) und dazu Ziele aufgestellt. Die Erfüllung dieser Ziele aus Kundensicht wird monatlich ausgehängt.
Die Erhebungsmethoden kann man sicher noch verfeinern, zum Beispiel sind die Experience Buzzer nicht an allen Punkten gleich gut sichtbar. Aber die Message selbst findet Stimmt wertvoll: «die interessieren sich für meine Customer Journey und machen was damit».

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Niemand kann ein Unternehmen ohne Strategie lenken – erst recht nicht in einem Turnaround

Cable & Wireless steht für den Aufstieg und Fall eines Unternehmens, das durch die Dotcom-Blase angeschlagen und durch unglückliche Management-Incentives zu Grunde gerichtet worden ist. Warum ein Unternehmen eine Strategie braucht – auch wenn die meisten erfolgreichen Unternehmen die geplante Strategie nicht umsetzen: Ein Unternehmen ohne Strategie lenken ist wie jedes Segel auf einem Schiff anders setzen – in beiden Fällen können wir nicht erwarten, dass das “Schiff” auf einen geplanten Kurs gerät.

Ohne Strategie keine Ziele und ohne Ziele keine vernünftigen Management-Incentives 

Cable & Wireless gehörte in der Dotcom-Blase im Jahr 2000 mit einem Börsenwert von 38 Milliarden Pfund zu den zehn grössten Unternehmen an der Londoner Börse. [1] Internet. Daten. Services. Langweilige alte Unternehmensteile veräussert. Alles super. Dann platzt die Dotcom-Blase. Internet. Daten. Services. Alles nicht mehr so viel wert. Im July 2012 kauft Vodafone einen Teil des Unternehmens für eine Milliarde Pfund. Im Dezember 2012 hat der verbleibende Teil von Cable & Wireless einen Börsenwert von unter einer Milliarde Pfund und Batelco hat angekündigt, einen Teil des verbleibenden Geschäftes für 680 Millionen Dollar zu kaufen. [1]

Dazwischen steht der Versuch, durch gut überlegte Management-Incentives rasch das darbende Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen und den Unternehmenswert zu steigern, obwohl die Strategie zu dieser Zeit unklar war:

The structure and incentives were a “tactical imperative”, to speed revival of the business. “I didn’t have a clue what the strategy was going to look like,” he adds, but he needed “a set of tools” to motivate the managers. (Sir Richard Lapthorne in [1])

Manche geneigte Leserin wird dieses Verhalten als schweren Fehler klassifizieren: Management-Incentives sind dazu da, Manager auf die Ziele des Unternehmens auszurichten, die Ziele des Unternehmens wiederum müssen aus der Unternehmens-Strategie abgeleitet werden. Ohne Strategie keine Ziele und ohne Ziele keine Incentivierung. [2]

Erfolgreiche Unternehmen setzen Strategien anders um als geplant

Harvard Business School Professor Clayton Christensen ruft uns in How Will You Measure Your Life? eine Studie von Amar Bhidé [3] in Erinnerung:

93 percent of all companies that ultimately become successful had to abandon their original strategy – because the original plan proved not to be viable. (Clayton Christensen in [4])

Der oben genannte Ansatz greift also nicht: Wenn wir davon ausgehen müssen, dass die einmal festgelegte Strategie sowieso geändert werden muss, dann macht es wenig Sinn, mittel- und langfristige Ziele zu fixieren, noch Manager für die fixierten Ziele zu incentivieren.

Hat Sir Richard also vernünftig gehandelt und ohne viel Zeit mit Strategie-Entwicklung zu verlieren seine Manager auf die Steigerung des Unternehmenswerts hin incentiviert? Warum hat sich dann Cable & Wireless vom Top Ten Unternehmen in den UK zum vergleichsweise kleinen Telco für Zentralamerika und die Karibik entwickelt und (nach einem kleinen Zugewinn am Anfang) konstant an Wert verloren? [1]

Eine Strategie ändern ist besser als keine Strategie haben

Die Erklärung liegt darin: Bei Cable & Wireless wurden Manager ohne strategische Leitplanken zur Steigerung des Unternehmenswerts incentiviert. Das funktioniert nicht, weil eine Strategie – auch wenn sie angepasst werden muss – das vermittelnde Element zwischen Unternehmens-Vision/Mission, Zielgruppe, Angebot, Zielkunden-Marketing und -Gewinnung sowie internen Strukturen und Prozessen ist. Ohne Strategie keine vernünftigen Leitplanken.

Wir benutzen bei Stimmt ein Framework mit fünf Dimensionen, die für eine Strategie erarbeitet oder vom Management als Startpunkt vorgegeben werden müssen. Daraus leiten wir dann zwei Dinge ab, die dem Unternehmen die Strategieumsetzung ermöglichen:

Durch eine als Management-Instrument eingesetzte Strategie wissen bei einer Strategie-Änderung sofort alle im Unternehmen, was die Änderung für sie bedeutet und können sofort darauf reagieren. [5]

Wenn alle im Unternehmen wissen, dass ihre Incentives von der Strategie abhängen und deshalb geändert werden, sobald sich die Strategie ändert, haben wir beide gewünschten Effekte: Das Management bekommt Incentives für Ziele, die sich aus der Strategie erheben und die Strategie darf sich ändern ohne dass das Management durch falsch gesetzt Incentives langfristig den Unternehmenswert verringert.

Bleibt nur noch die Frage: Ab wann ist eine Strategie denn eine Strategie? Einen Business Case auf die Rückseite einer Serviette zu malen, wie das früher – zumindest laut Anekdoten – üblich war: Reicht das aus? Ab wann sind wir sicher, dass wir das Strategie-Framework genügend gefüllt haben?

Strategisches Wirken im Unternehmen ist auch unter Zeitdruck möglich

Der Test, ob eine Strategie formal ausreicht für die Umsetzung, besteht aus zwei zentralen Fragen: Sind wir im Management sicher, dass wir 1.) unsere festgelegten Wettbewerbsvorteile zementieren und 2.) unsere Ressourcen richtig allozieren können? Es braucht kein Strategieprojekt über 12 Monate, um handlungsfähig zu werden. [6]

Am Anfang einer neuen Strategie oder eines Strategie-Wechsels darf ja auch noch nicht viel auf dem Spiel stehen, weil wir seit Amar Bhidé’s Resultaten [3] wissen: Die grossen Budgets investiert ein Unternehmen erst, nachdem es sicher ist, dass die Strategie stimmt!

Weil wir nicht annehmen, dass unsere Klienten zu den 7% der Unternehmen gehören, die die Strategie von Anfang an richtig überlegt haben (unabhängig davon, ob die Strategie mit oder ohne Stimmt erarbeitet worden ist), empfehlen wir nicht, zuerst für 100 Millionen Dollar Software einzukaufen, die dann fünf Jahre konfiguriert werden muss, um die versprochenen Resultate im EBIT zu sehen. Wir empfehlen, die Kernfragen der Strategie zu beantworten:

  • Wofür wollen wir im Markt stehen? (Vision)
  • Wie können wir das erreichen? (Mission)
  • Welche Zielgruppen wollen wir mit welchem Angebot erreichen?
  • Durch welches Customer Experience wollen wir uns differenzieren?

Dann empfehlen wir, genügend Prototypen für Produkte und Dienstleistungen zu schaffen und in vielen Iterationen zu testen und zu verbessern. Eine Strategie sollte erst skaliert werden, nachdem das Management den Erfolg gesehen hat und davon überzeugt ist. Dann lohnt es sich auch, Zielgruppen-Marketing, Kundengewinnungs-Massnahmen und interne Strukturen und Prozesse anzupassen. [7]

Stimmt Vorgehen zur Entwicklung von Strategien und Angeboten herunterladen (Englisch, PDF, 352 kB)


Quellen und Anmerkungen

[1] Financial Times (11. Dezember 2012): How C&W’s radical restructure fell short (mit Registrierung)

[2] Die erste Quelle, die ich dazu gefunden habe, ist Peter Drucker, der diesen Punkt  macht in Concept of the Corporation (1946). Alfred Chandler’s Strategy and Structure (1962) macht den Punkt ebenfalls (zumindest indirekt).

[3] Christensen bezieht sich The Origin and Evolution of New Businesses, vermutlich die Ausgabe von 2003. Die Ausgabe von 2000 kann hier als PDF runtergeladen werden – offenbar ein mit Google leicht findbarer Pre-Print aus 1999.

[4] Clayton M. Christensen, James Allworth und Karen Dillon: How Will You Measure Your Life? (2012) Das Zitat und der interessante Kontext dazu finden sich auf Seiten 87 und 88 – zum Beispiel hier auf dem Screenshot von Amazon.com:

[5] Beispielsweise: “Wir können Zielgruppe A doch nicht erreichen wie erwartet – wir müssen unsere Strategie ändern.” – “Nun, wir haben dafür gesehen, dass Zielgruppe B gut  erreicht werden kann – nun passen wir unser Angebot, unser Marketing, die Kundengewinnung und unsere internen Strukturen und Prozesse darauf an (solange das mit unserer Vision/Mission verträglich ist).”

[6] Allerdings zeigt die unsere Erfahrung, dass Manager unter Zeitdruck oft Abkürzungen in der Strategie-Arbeit fordern und dann mit den (durch die kurze Zeit oft empirisch dünn abgesicherten) Resultaten doch nicht entscheiden wollen – oft hätten wir auf eine Projektdauer von sechs bis neun Monaten ein bis zwei Monate einsparen können, wenn wir uns mit der Klientin von Anfang an die Güte der empirischen Absicherung der Resultate geeinigt hätten.

[7] Es gibt eine nennenswerte Ausnahme: Wenn eine zeitkritische Investition gefunden wird, zum Beispiel der Kauf eines bestimmten Unternehmens oder das Schaffen einer neuen technologischen Plattform, die eine Menge von strategischen Optionen erst ermöglicht. Dann empfehlen wir, die Investition zu evaluieren und möglichst rasch zu tätigen, weil die strategische Optionen mit der Zeit immer weniger wert wird.

 

Update 27. Februar 2013

Einige Typos gefixt – Danke für die Hinweise, Jana Lév.

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Röstigraben Express 2013: Die Pre-Konferenz zur Konferenz

Stimmt und Lift Conference organisierten mit Unterstützung von Swisscom zum zweiten Mal den Röstigraben Express an eine der führenden Innovationskonferenzen Europas nach Genf. Am 6. Februar um 09:32 war Abfahrt im Salon de Luxe der SBB ab Zürich HB. Und selten sind drei Stunden Zugfahrt so schnell vergangen.

«Die Anreise zu einer Konferenz gehört auch zur Customer Journey und trägt daher zu einem guten Customer Experience bei» betont Glenn Oberholzer (Stimmt AG) schon im Vorfeld. Dieser Meinung sind auch 60 andere Lifters; der Röstigraben-Express war schon Tage vor dem Event ausgebucht mit Leuten aus New York, Wien, München und natürlich Zürich, Bern und Fribourg.

Nach einem kurzen, intensiven Kennenlern-Bingo haben sich die Teilnehmer mit sechs Design Challenges in Form von Brainstorming-Sessions auf die Konferenz eingestimmt – sozusagen eine Pre-Konferenz im Zug mit Kaffee, Gipfeli und Anstossen beim Überqueren des Röstigrabens. Und so blieb der 1. Klasse Wagen meist leer, weil sich die Leute im Salon de Luxe austauschten.

Mehr Impressionen im Bericht der Berner Zeitung zum Röstigraben Express.

Wir freuen uns schon jetzt auf die Lift 2014 und den nächsten Röstigraben Express, der wieder einmal zeigt, wie wichtig es ist, ein Kundenerlebnis von Beginn bis zum Ende zu denken.

 

 

 

 

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You won’t get your magazine between the consumer and her smartphone

Magazine publishers should acknowledge that every attempt to get into their customers’ lives will fail unless it is based on understanding their customers’ goals, needs and contexts of media usage. A recent example: Publishers enhance their print magazines because consumers are not looking up from their smartphones in checkout lanes, critically hurting single-copy sales. What customer goals are they trying to satisfy? If publishers will not adopt to consumers, they might end up as another Kodak.

Imagine this: You are a magazine publisher and you see single-copy sales are going down. Of course, you noticed that a few years ago, and in the first half of 2012, the slide was almost 10% [1].  Time Inc. saw its flagship title lose almost a fifth of its single-copy sales in the first half of 2012, adding to the cost pressure that led to its shedding 8% of its  workforce. This would not bother you, if your print advertising business was healthy and print subscriptions were up. But they are not.

So, this is something you decide to work on and you analyse the situation. You quickly find a major cause for the drop in single-copy sales: Consumers who used to screen magazines exhibited at checkout lanes are now looking at and typing away at their smartphones.

What’s your reaction?

A) You acknowledge that single-copy sales are a lost battle and decide to adjust your cost base and invest in selling more subscriptions (which probably means checkout lanes will feature more candy and less magazines).

B) You make your magazines shinier (which probably means more naked skin, shrill colours and shorter bigger headlines) and print some QR codes on it to try and convey the impression that this is the best way to enter your web presence: Buying a magazine and then scanning the QR code.

C) You use the space you rented at checkout lanes in order to promote yourself as a company worth considering for staying up-to-date and entertainment in the digital space.

According to a recent Financial Times article reporting on the topic, publishers are mainly opting for option B, as absurd as this may sound:

Publishers are trying to combat “mobile blinders” by jazzing up their print magazine covers with attention-grabbing digital features and placing copies in different areas of a store. Cosmopolitan put a digital QR code on its September cover, tempting consumers to scan the code each day for a surprise deal.

It’s comforting to see that Germany’s biggest journal publisher, Axel Springer, announced a collaboration that seems to be a grown-up bet on digital, collaborating with experienced startup investor Plug and Play Tech Center to develop and implement digital business models. Since they are already pursuing a quite successful digital strategy, they will be able to tweak and add to their offering in a way that generates competitive advantage that will threaten other publishers’ business models to a degree that some of them might be turned into a Kodak.

In a market with a high level of strategic uncertainty, companies need to think about where they want to reserve the right to play – instead of betting on a single product portfolio that might generate diminishing returns, draining the cash they needed to innovate and transform the company to acquire the necessary skills to play in a “digitised” market.

The best way to create strategies and offerings for the “digitised” market is, in our experience, to start with a deep understanding of market players and customers and find a position that generates competitive advantage.  You can get an idea how we go about it downloading our approach:

Download Stimmt’s approach: Using personas to create strategies and offerings (PDF, 352 kB)

 

 

 

Notes

[1] Single-copy sales of the top 25 magazine publishers in the US: Heavy losses, with a few exceptions.

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